Gesundheitsförderung und Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung von morgen
Die COVID-19 Pandemie hat die Sensibilisierung von Politik und Öffentlichkeit für gesundheitspolitische Themen und Zusammenhänge deutlich erhöht und für einen steigenden Reformdruck in der Gesundheitspolitik gesorgt, der auch aufgrund gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen angezeigt ist:
- insbesondere die demographische Entwicklung und die damit einhergehende Zunahme von Krankheitsbildern wird die Anforderungen an eine leistungsfähige stationäre Versorgung erhöhen.
- Die Zunahme von chronischen und Zivilisationskrankheiten verlangt nach Reaktionen nicht nur in therapeutischer Hinsicht, sondern auch in Fragen des Lebensstils.
- Die Digitalisierung fördert eine Entwicklung hin zu mehr individueller und patientenzentrierter Versorgung. Dies verändert die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen grundsätzlich – der point of care verlagert sich immer stärker in Richtung des Patienten.
- Patienten sind auf der Suche nach für sie geeigneten Angeboten (unserved patients needs). Die wachsende Nachfrage nach komplementärer Medizin zeigt zum einen die Unzufriedenheit mit konventionellen Behandlungsformen und zum anderen ein wachsendes Interesse an ergänzender Gesundheitsförderung.
Eine nachhaltige Gesundheitsversorgung sollte daher vor allem die folgenden
Punkte berücksichtigen:
Gesundheitsförderung und Resilienz in den Vordergrund stellen
Prävention und aktiver Gesundheitsförderung müssen in Zukunft größere Bedeutung beigemessen werden. Entsprechende Änderungen sollten in einem reformierten Präventionsgesetz verankert werden.
One Health Diskussion mitgestalten
Der One Health-Ansatz, welcher Perspektiven und Erfahrungen aus Natur- und Tierwelt in die Konzeption einer nachhaltigen Gesundheitspolitik einbezieht, kann ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu einem verbesserten Präventionsverständnis leisten. Das von der WHO verfolgte Konzept „Health in All Policies“ (HiAP) kann dieser Herausforderung Rechnung tragen und sollte daher in der nationalen als auch der EU-weiten bzw. globalen Gesundheitspolitik implementiert werden.
Integrative Medizin stärken
Integrative Medizin, die Synthese von konventioneller und komplementärer Therapie, bietet ein großes Potenzial im Hinblick auf eine patientenzentrierte, nachhaltige und krisenresistente Gesundheitsversorgung.
Die gesetzliche Verankerung stationärer und ambulanter Versorgungsformern, sowie eine öffentliche Forschungsförderung, müssen Teil anstehender Gesundheitsreformen sein.
Individualisierung und Regionalisierung der Versorgung stärken
Um Patientenpräferenzen besser berücksichtigen zu können, muss eine nachhaltig aufgestellte Regelversorgung insbesondere im ländlichen Raum durch entsprechende Programme und eine optimierte Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Versorgung garantiert werden. Patienten muss darüber hinaus die Möglichkeit einer aktiveren Gestaltung ihrer eigenen Gesundheitsversorgung ermöglicht werden.