ONE HEALTH
Die Klimakrise aber auch die COVID-19-Pandemie führen drastisch vor Augen, wie sehr die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zusammenhängen. Vor diesem Hintergrund kommt dem One Health“- Ansatz auf der politischen Agenda eine zentrale Bedeutung zu. Ziel ist es, das Wohlergehen von Menschen, Tieren und belebter sowie unbelebter Umwelt zu sichern – unter Berücksichtigung aller Wechselwirkungen.
Gemäß der Definition der WHO gilt „One Health“ als der Ansatz zur Gestaltung und Umsetzung von Programmen, Politiken, Rechtsvorschriften und Forschung, bei dem mehrere Sektoren wie Gesundheit, Umwelt, Klima und Ernährung zusammenarbeiten, um bessere Ergebnisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu erzielen.
Dies bedeutet konkret:
- Gesundheitsrisiken durch schädliche Umwelteinflüsse (Luftverschmutzung, industrielle Landwirtschaft, etc.) zu minimieren.
- Voraussetzungen für einen gesunden Lebensstil in der Bevölkerung zu befördern (gesunde Ernährung in Kitas, Schulen, Kantinen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und regelmäßige Bewegung).
- Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit begrenzen.
Im Zuge der gravierenden Auswirkungen der Klimakatastrophe entstanden und entstehen zahlreiche Initiativen in der Zivilgesellschaft – aber auch im Gesundheitssektor – die sich ihrer Verantwortung für die Zukunft bewusst sind. Sie begegnen der Herausforderung die Erderwärmung und ihre negativen Folgen für die Gesundheit der Menschen zu begrenzen, mit eigenem Handeln und konkreten Vorschlägen an die Politik. Mittlerweile hat das „One Health“-Konzept unter anderem Einzug gehalten in entsprechende Projekte der WHO, Weltbank oder der KfW.
Das „One Health“-Konzept muss zu einem neuen Paradigma werden, in dem ein umfassendes Verständnis von Gesundheit zur Richtschnur für politisches Handeln wird und den Erhalt der Biodiversität, der Versorgungssicherheit sowie das physische und psychische
Wohlbefinden vollständig einbezieht. Die menschliche Gesundheit kann nur im Zusammenhang mit anderen Organismen innerhalb eines Netzwerks von Populationen, Gemeinschaften und Ökosystemen verstanden und bewahrt werden.
Die Integrative Medizin ist mit dem „One Health“-Ansatz konzeptionell eng verbunden und kann zu dessen Umsetzung Entscheidendes beitragen. Da sie Gesundheit als dynamischen Prozess in Interaktion mit der Umwelt und somit immer auch als Ergebnis guter Lebensbedingungen versteht, verbindet sie die medizinische Perspektive mit den verschiedenen gesellschaftlichen Lebensfeldern zu einem Gesamtkonzept. Die Integrative Medizin stellt zudem Prävention und Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt ihres Handelns und legt damit den Grundstein für eine global angelegte, holistische Gesundheitsstrategie. Ihre integrativen und multidisziplinären Therapiekonzepte leisten einen wesentlichen Beitrag, (chronische) Krankheiten zu vermeiden bzw. zu reduzieren. Damit tragen sie zur Senkung der gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten von Krankheit bei.
Antibiotika-Resistenz
Eine der globalen gesundheitspolitischen Herausforderungen ist die Zunahme multiresistenter Erreger, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Weltweit steigt die Anzahl dieser Keime unabhängig vom Entwicklungsstatus eines Landes und stellt somit eines der dringlichsten Gesundheitsprobleme der Menschheit dar. Die Eindämmung von Antibiotikaresistenzen kann nur sektorenübergreifend erfolgen. In diesem Zusammenhang muss der Einsatz von Antibiotika insbesondere in der Tierhaltung auf ein absolutes Mindestmaß begrenzt werden.
Auf europäischer Ebene wurde 2017 die Idee des „One Health“- nsatzes der WHO in Form des „EU One Health Action Plan against Antimicrobial Resistance“ aufgegriffen. Das übergeordnete Ziel des Aktionsplans ist die Erhaltung wirksamer Behandlungsoptionen zur Therapie von Infektionskrankheiten.
Auch auf nationaler Ebene wird die Bekämpfung der Antibiotikakrise nach dem Grundgedanken des interdisziplinären „One Health“-Ansatzes gestaltet. In Deutschland verfolgt die „Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie“ (DART 2020) seit 2015 das Hauptziel, die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen durch sektorübergreifende Zusammenarbeit aufzuhalten (BMG et al. 2015). Die Integrative Medizin hat den Anspruch, den Einsatz von Antibiotika in der medizinischen Versorgung auf das Notwendige zu begrenzen und bei Ärztinnen und Patientinnen ein Bewusstsein für den bedarfsgerechten und zielgerichteten Einsatz zu schaffen. Sie bietet mit ihren Therapien und Arzneimitteln einen Baukasten zur Linderung von akuten Krankheitsbeschwerden und zur Stärkung der Abwehrkräfte.
Maßnahmen und Empfehlungen
Das „One-Health“-Konzept muss auch in Deutschland, sowohl für die nationale als auch für die globale Gesundheitspolitik, weiterentwickelt und beworben werden. Die im Oktober 2020 durch die Bundesregierung formulierte Strategie für globale Gesundheit bietet den idealen Rahmen für die Umsetzung integrativer und multidisziplinärer Präventions- und Therapiekonzepte, die Krankheitsentstehungen reduzieren und auch gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten von Krankheiten verringern.
Die bis 2020 angelegte „Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie“ (DART 2020) sollte um die Konzepte der Integrativen Medizin ergänzt und in einer „DART 2030“ weiterentwickelt werden.
Die aktuelle politische Bedeutung nachhaltiger Public Health-Maßnahmen und die Umsetzung des interdisziplinär ausgerichteten „One Health“-Konzepts verlangen eine Koordinierung über die verantwortlichen nationalen Ministerien hinaus: Die Steuerung entsprechender Maßnahmen sollte daher durch einen in der neuen Legislaturperiode einzusetzenden Public Health-Koordinator der Bundesregierung im Bundeskanzleramt erfolgen.