Pressemitteilung Prävention in die Versorgung bringen
AIM fordert Integrative Versorgungskorridore als konkreten Baustein der Strukturreform
Berlin. Deutschland gibt international überdurchschnittlich viel für Gesundheit aus, ohne entsprechend überdurchschnittliche Gesundheitsergebnisse zu erzielen. Gleichzeitig wird ein erheblicher Teil der Krankheitslast durch chronische Erkrankungen und beeinflussbare Risikofaktoren geprägt.
Die Strukturreform muss deshalb dort ansetzen, wo die größte Krankheitslast entsteht: bei chronischen, verhaltens- und umweltbedingten Erkrankungen. Prävention darf nicht länger neben der Versorgung stehen. Sie muss verlässlich mit ihr verbunden werden.
Kernforderung: Indikationsbezogene Integrative Versorgungskorridore sollen Gesundheitsförderung, Primärversorgung, Fachmedizin, Klinik, Reha, Pflege und Lebenswelten in einem gemeinsamen, überprüfbaren Pfad verbinden.
„Wir brauchen keine weitere Sammlung unverbundener Präventionsangebote. Wir brauchen verlässliche Wege, die Eigeninitiative der Menschen mit qualitätsgesicherter Versorgung verbinden. Integrative Versorgungskorridore machen Prävention konkret, überprüfbar und skalierbar.“
Prof. Dr. Dr. Diana Steinmann, Vorständin der AIM
2024 investierten die gesetzlichen Krankenkassen rund 686 Millionen Euro in Gesundheitsförderung und Prävention. Zugleich entfällt weiterhin nur ein kleiner Teil der Gesundheitsausgaben auf Prävention. Aus Sicht der AIM liegt deshalb ein zentraler Hebel darin, wirksame Prävention stärker und dauerhaft mit der Versorgung zu verbinden.
Prävention ist kein kurzfristiges Sparprogramm, sondern eine strategische Investition in Gesundheit, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität.
Was jetzt politisch zu tun ist
- Umsetzungsdialog starten. Bund, Versorgung, Wissenschaft, Krankenkassen und Patientenvertretungen wählen drei bis fünf umsetzungsreife Korridore aus.
- Primärversorgung stärken. Sie koordiniert den Pfad und erhält dafür rechtliche, digitale und finanzielle Voraussetzungen.
- Gesundheitskompetenz fördern. Kostenträger sollen wirksame, sozial ausgewogene Gesundheitsförderung gezielt anreizen können.
- Vorhandene Modelle nutzen. CCC-Integrativ, KIM-BW sowie stationäre und tagesklinische integrative Angebote bilden die lernende Infrastruktur.
- Erstattung an Ergebnisse koppeln. Nutzen, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit werden vorab definiert; erfolgreiche Modelle gelangen in Verträge und Vergütung.
- Klinische Kompetenz sichern. Integrativmedizinische Zentren und naturheilkundliche Fachabteilungen wirken als Qualitäts- und Wissensanker.
- Evaluation ermöglichen. Begrenzte, qualitätsgesicherte Versorgungskorridore müssen Räume für Evidenz schaffen, ohne isolierte Einzelleistungen zu privilegieren.
„Entscheidend ist der Transfer: Kein Modell ohne Perspektive auf Regelversorgung – und kein Transfer ohne belastbare Ergebnisse. Wenn ein Versorgungskorridor Lebensqualität verbessert, Arzneimittelbelastung senkt und unnötige Notfall- oder Krankenhauskontakte vermeidet, muss er erstattungsfähig werden.“ à Wunsch zur Änderung: „Entscheidend ist der Transfer: Kein Modell ohne Perspektive auf Regelversorgung – und kein Transfer ohne belastbare Ergebnisse. Wenn ein Versorgungskorridor nachweislich patientenrelevanten Nutzen schafft, sicher ist und sich wirtschaftlich trägt, braucht es einen definierten Weg in Erstattung und Regelversorgung.“
PD Dr. Claudia Löffler, Mitautorin des Positionspapiers à Prof. Dr. Claudia Löffler
Vom Modell in die Fläche
Die vorgeschlagenen Korridore beginnen nicht bei einer einzelnen Methode, sondern bei einem konkreten Versorgungsproblem – etwa chronischem Schmerz, Adipositas, Typ-2-Diabetes, wiederkehrenden Infektionen, Endometriose oder komplexer Multimorbidität. Für jeden Korridor werden Zielgruppe, Zugang, multimodales Konzept, Koordination, Qualifikation, Sicherheitsregeln und messbare Ergebnisse verbindlich festgelegt.
Integrative Medizin ist dabei kein alternatives System. Sie verbindet leitliniengerechte Medizin mit Lebensstilmedizin, nichtmedikamentösen Verfahren und evidenzbasierter Naturheilkunde. Entscheidend ist, dass jeder Baustein einem definierten Versorgungsziel dient, dokumentiert wird und sich an Nutzen, Sicherheit und Kosten messen lässt.
Die AIM fordert die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag angekündigte Unterstützung von Forschung und Versorgung zu Naturheilkunde und Integrativer Medizin jetzt in einen verbindlichen Umsetzungspfad zu übersetzen. Die Strukturen und Erfahrungen sind vorhanden. Der politische Schritt in die Fläche steht aus.
Politische Kurzformel: Eigeninitiative aufgreifen. Gesundheitsförderung anreizen. Präventionsketten verbinden. Vorhandene Modelle weiterentwickeln. Erfolgreiche Versorgung in die Regelversorgung überführen.
Vorstand der AIM e.V.
Dr. rer. medic. Anna Paul, Dr. rer. Oec. Dr. rer. medic. Maren Michaelsen, Prof. Dr. med. Dr. rer.nat. Diana Steinmann, Univ.-Prof. Dr. med. Christian Keßler, MA, PD Dr. Friedemann Schad
Die Allianz für Integrative Medizin und Gesundheit (AIM e.V.) setzt sich für eine wissenschaftlich fundierte, patientenzentrierte und sektorenübergreifende Weiterentwicklung des Gesundheitswesens ein.
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